Kurzwelle unterwegs (Jan 2009)
Viele Segler lassen sich ihre KW-Funkstelle von einem Fachunternehmen an Bord installieren oder von erfahrenen Freunden dabei unterstützen. Wenn man keine tieferen Kenntnisse hat ist diese Vorgehensweise sehr zu befürworten, da sich so zumindest die gröbsten Fehler bei der Installation vermeiden lassen. Unterwegs ist man dann aber auf sich allein gestellt. Um einen zuverlässigen Betrieb zu gewährleisten und optimale Ergebnisse zu erreichen sollte man mit den Geräten richtig umgehen und wenigstens kleine Reparaturen bei auftretenden Problemen selbst vornehmen können. Das ist keineswegs selbstverständlich, denn so etwas lernt man leider nicht bei der Vorbereitung auf das LRC und auch viele Funkamateure haben z. T. noch erhebliche Schwierigkeiten wenn es in die Details geht. Mit den folgenden Ausführungen möchte ich eine kleine Hilfe zur Bordpraxis geben. Dabei gehe ich von der mit Abstand häufigsten Konfiguration aus: Eine KW-Station mit Pactorbetrieb zum Verschicken von Emails und als Antenne ein isoliertes Achterstag oder eine Peitsche am Heck. Auch wenn ich immer wieder Beispiele aus dem Amateurfunk bringe, gibt es keinerlei grundsätzliche Unterschiede zum KW-Seefunk bei dem lediglich geringfügig andere Frequenzen genutzt werden.
Was Pactor ist und wie eine Funkstation an Bord dafür aufgebaut wird habe ich in anderen Kapiteln ausführlich erläutert. Wie man mit dem verwendeten Programm Airmail Mails verfasst muss ich sicher auch nicht erklären. Interessant wird es erst, wenn es an das Verschicken der Mail geht, denn erst dann kommt die ganze KW-Geschichte überhaupt ins Spiel. Zunächst muss aber die Frage geklärt werden an wen man das Ganze zur Weiterleitung über das Internet schickt. Bei Seefunk ist das recht einfach. Man schließt einen Vertrag mit einem Provider z. B. Sailmail ab und dieser teilt einem die Rufzeichen seiner Stationen und deren Betriebsfrequenzen mit. Bei Amateurfunk ist es ein klein wenig komplizierter. Amateure arbeiten ehrenamtlich und deswegen kann man nicht sicher sein, dass die Stationen immer in Betrieb und man muss auch damit rechnen, dass sie häufiger wechseln. Aber auch das ist kein Problem.


Aufbau einer Pactorverbindung
Joost ZS5S veröffentlicht jeden Monat eine aktualisierte Liste mit allen Informationen die man braucht. Diese Liste kann man abbonieren und ist auch in den über Airmail zugänglichen Bulletins enthalten. Uns interessiert ausschließlich das File „PMBO.TXT“. Darin sind weltweit alle Stationen aufgelistet, welche an das Winlink-System (vergleichbar mit einem Provider) angeschlossen sind. Für ON0FS (Andre in Kluisbergen/Belgien) findet man bspw., dass er parallel vier Funkgeräte betreibt. Die Frequenzangaben sind in kHz und ein „#“ bedeutet, dass nur auf dieser Frequenz Pactor 3 Betrieb zulässig ist. Je nach aktuellem Standort der eigenen Yacht sucht man sich aus dieser Liste einige mit großer Wahrscheinlichkeit zu erreichenden Stationen heraus. Von Europa aus machen Stationen in Australien oder Kalifornien natürlich wenig Sinn.
Die weitere Vorgehensweise ist für See- und Amateurfunk dann wieder gleich. Man klickt das blaue Antennensymbol oben rechts an und es öffnet sich, wenn Controller und Funkgerät eingeschaltet und richtig angeschlossen sind, ein weiteres Fenster (Terminal). Aus der angebotenen Liste wählt man die Station mit der man Verbindung aufnehmen möchte und eine passende Frequenz und schon geht es los. D.h. noch nicht ganz, denn ehe man den grünen Connect-Button oben links anklickt sollte man sich vergewissern ob am Funkgerät die richtige Frequenz eingestellt und ob diese auch frei ist. Wenn dort schon jemand anderer funkt hat ein Connectversuch keinen Sinn. Die Station ist beschäftigt und kann gleichzeitig keine weitere Verbindung aufnehmen. Ein Connect auf einer anderen Frequenz ist auch nur dann sinnvoll, wenn aus der oben genannten Liste hervorgeht, dass für diese ein anderes Funkgerät zu Verfügung steht. In den allermeisten Fällen ist es vernünftig einfach ein paar Minuten zu warten, wissen wir doch, das diese Station ganz sicher in Betrieb ist. Mit etwas Erfahrung hört man auch an den charakteristischen Tönen wann eine Verbindung zu Ende geht. Am Schluss gibt es immer eine Kennung in Morsecode und das ist der richtige Zeitpunkt selbst Connect zu klicken. Wer das weiß und nutzt ist anderen gegenüber im Vorteil und meistens sofort erfolgreich. Was dann folgt ist nicht weiter spannend. Beide Stationen sychronisieren sich vollautomatisch aufeinander ein, das Übertragungsverfahren wird ausgehandelt und ein paar Routinedaten werden ausgetauscht. Danach wird man mit einem Server verbunden, der die eigenen Mails entgegen nimmt und für uns angekommene sendet. Abschließend wir die Verbindung ebenso vollautomatisch beendet. Man muss also sobald ein Connect erfolgreich war nicht mehr neben dem Funkgerät sitzen und kann sich anderen Tätigkeiten widmen. So sollte es sein und ist in den allermeisten Fällen auch so. Voraussetzung ist natürlich, dass die Funkanlage optimal läuft und damit wollen wir uns im Folgenden beschäftigen.



Das Pactorsignal
Um das Funkgerät richtig einstellen zu können sollte man wenigstens grundlegend wissen wie ein Pactorsignal aufgebaut ist. Bild 2 zeigt das Signal von Pactor 2. Für die binäre Information wird ein Träger jeweils um 200 Hz in der Frequenz verändert. Diese Art der Modulation nennt man FSK (Frequency Shift Keying). Beide Frequenzen müssen sich innerhalb des Übertragungskanals befinden. Für die gängigen SSB-Transceiver ist das kein Problem. Ihre üblicherweise 2400 Hz breiten Filter haben mit einem solchen Signal keine Schwierigkeiten. Im Gegenteil, sie sind so breit, dass auch noch jede Menge Platz für unerwünschte Störungen ist, so dass man bei ausschließlicher Verwendung von Pactor 2 durchaus über schmalere Filter nachdenken kann. Der entscheidende Nachteil von Pactor 2 ist, dass die Umschaltgeschwindigkeit zwischen den beiden Frequenzen prinzipbedingt nur sehr gering sein darf und dadurch der Datendurchsatz entsprechend bescheiden ist.
Pactor 3 arbeitet dagegen ganz anders. Auf bis zu 18 Unterträgern wird die Binärinformation als Phasenmodulation aufgebracht. Die zulässige Bandbreite von 2400 Hz wird dabei maximal ausgenutzt. Allein daraus kann man erkennen, dass das Signal exakt im Durchlassbereich des Empfängerfilters liegen muss. Alles andere führt zu Einschränkungen beim Datendurchsatz. Auch liegt die Amplitude über den gesamten Bereich im Maximum was bei der Einstellung der Sendeleistung berücksichtigt werden muss, da viele SSB-Sender nicht für Dauerspitzenleistung ausgelegt sind. Der Trick bei Pactor 3 liegt darin, dass einzelne Unterträger dynamisch während der Verbindung ab- und wieder zugeschaltet werden können, wenn z.B. Störungen auftreten. Die Datenrate fällt und steigt dann entsprechend. Durch diese Eigenschaft ist die Übertragung extrem robust. Unter guten störungsfreien Bedingungen ist die Übertragung bis zu 18 mal schneller als bei Pactor 2 und selbst unter schlechtesten Verhältnissen ist sie immer noch schneller, da ein Übertragungskanal niemals komplett gestört ist und sich im Gegensatz zu festen Frequenz bei Pactor 2 die Unterträger den Verhältnissen anpassen können.
Da Pactor 3 eine Option ist, die es nur gegen Aufpreis gibt, kann man nicht davon ausgehen, das jede Pactorstation damit ausgerüstet ist. Eine Verbindung beginnt deshalb immer in Pactor 2. Danach handeln die beiden beteiligten Stationen Betriebsart und maximale Geschwindigkeit automatisch untereinander aus. Mit etwas Übung hört man dem Signal auch gut an, welche Betriebsart gerade verwendet wird. Während Pactor 2 deutlich „klingelt“ hat man bei Pactor 3 eher den Eindruck eines Rauschens, das sich mit der Anzahl der verwendeten Unterträger deutlich ändert. Auch wenn er nicht direkt vor dem Gerät sitzt, hört ein erfahrener Operator von daher wie seine Verbindung gerade abläuft und kann rechtzeitig eingreifen um den Transceiver nachzustellen, wenn das notwendig sein sollte. Aber auch wenn man das nicht tut ist das nicht wirklich schlimm, es geht dann halt etwas langsamer.
Für einen verantwortungsvollen Funker sind die aktuellen Funkbedingungen, die sich durch die erreichbaren Übertragungsgeschwindigkeiten ausdrücken, auch ein Maß für die Größe der zu übertragenden Dateien. So wird man lange Bildanhänge nur dann übertragen, wenn auch die Funkbedingungen bestens sind und keine langen Übertragungszeiten entstehen. Vielen Blogs in denen Langzeitsegler aktuell von unterwegs ihre Reiseberichte im Intenet veröffentlichen sieht man das an. Die Masse der Bilder gibt es bevorzugt bei Landaufenthalten, wenn WLAN oder ein Internetcafe zur Verfügung stehen, während es auf langen Ozeanüberquerungen bevorzugt Textberichte gibt, die bedeutend weniger Übertragungszeit brauchen.
Einstellungen und Fehlermöglichkeiten am Transceiver
KW-Funkgeräte für See- und Amateurfunk unterscheiden sich technisch nur unwesentlich. Seefunkgeräte haben oft weniger Einstellmöglichkeiten und sind deswegen leichter zu bedienen weil man einfach weniger falsch machen kann. Dies bedeutet andererseits aber, dass viele Funktionen, die auf Amateurgeräten von außen zugänglich sind, als Kompromiss voreingestellt sind. Amateurgeräte sind von daher oft leistungsfähiger. Das setzt natürlich voraus, dass man auf dem Klavier auch entsprechend virtuos spielen kann. Wie bei Booten ist jedes Gerät ein bisschen anders und es dauert seine Zeit, bis man für alle Situationen eine gute Einstellung gefunden hat. Die folgende Auflistung häufig vorkommender Funktionen soll dabei helfen sich wenigstens grundlegend zurecht zu finden.
Aus der obigen Beschreibung der Pactorsignale geht hervor, dass für eine optimale Übertragung die Frequenz genau stimmen muss. Moderne Geräte mit digitaler Anzeige täuschen oft eine höhere Genauigkeit vor als in Wirklichkeit vorhanden. Im Zweifel sollte man die Anzeige an Frequenznormalen wie dem Zeitzeichensender WWV überprüfen. Definitionsgemäß erfolgt die Angabe in den Frequenzlisten der Sender als Mittenfrequenz bei der Modulationsart FSK. Die Anzeige am Funkgerät ist deswegen in der Stellung USB exakt 1500 Hz unter dieser Frequenz. Während einer Verbindung zu ON0FS auf 3596,0 kHz zeigt das Display also 3594,50 kHz.
Es macht Sinn häufig benutzte Frequenzen im Speicher abzulegen, so dass man sie jederzeit schnell wieder abrufen kann. Aber auch dann muss man aufpassen, dass man sie durch versehentliches Berühren des Abstimmkopfes nicht wieder verstellt. Das wird zwar durch Anzeigen wie „MTUNE“ angezeigt aber leicht übersehen.
Für die Empfängerbandbreite muss bei Pactor 3 immer ein SSB Filter mit 2400 Hz gewählt werden. Alles andere ist zu schmal und würde die Datenrate senke. Nur bei ausschließlichem Pactor 2 Betrieb kann man mit schmaleren Filtern von z. B. 500 Hz experimentieren. Ich würde mir auf jeden Fall die nicht unerheblichen Kosten für ein solches Filter sparen und vorzugsweise in eine Pactor 3 Lizenz investieren..

Normalerweise ist die Stellung des Lautstärkereglers (AF-VOLUME) uninteressant. Es macht aber durchaus Sinn, dass Signal leise mitzuhören. Mit etwas Übung kann man am charakteristischen Klang der Signale durchaus erkennen, wie weit die Session ist oder ob Störungen auftreten, die ein Eingreifen erfordern. Der Regler für die HF- Empfindlichkeit (RF SENSE) kann dagegen immer auf „max“ stehen. Lediglich bei sehr starken Signalen sollte er etwas zurückgenommen werden um die Eingangsstufen nicht zu übersteuern.

Die Bedeutung der Sendeleistung wird of überschätzt. Um bei der Empfangsstation doppelt so laut (6 dB= eine S-Stufe) anzukommen muss man die Sendeleistung vervierfachen. Eine gute Antenne bringt da erheblich mehr. In den Daten der Sender wird die Leistung z.B. mit 100 W PEP angegeben. PEP bedeutet Peak Envelope Power und ist die absolute Spitzenleistung in den Sprachspitzen bei SSB. Die mittlere Sendeleistung ist bedeutend niedriger und nur darauf ist das Gerät für Dauerbetrieb ausgelegt. Aus der Darstellung der Pactorsignale geht hervor, dass diese immer ein Maximalsignal wie sonst nur in Sprachspitzen erzeugen würden. Die Einstellung der Sendeleistung (RF PWR) muss deshalb zurück gedreht werden. Ich komme mit 25 W bestens klar.
Moderne Funkgeräte haben Sprachprozessoren mit denen die menschliche Sprache aufbereitet werden kann. Oft klingt sie dann nicht mehr so ganz natürlich kann sich aber besser unter schwierigen Bedingungen durchsetzen. Pactorsignale werden vom Prozessor im Controller in jedem Fall optimal aufbereitet. Da gibt es nichts mehr zu verbessern. Sprachprozessoren werden für Pactor deshalb immer abgeschaltet.
Mit dem Clarifier (CLAR) kann man die Empfangs- gegenüber der Sendefrequenz geringfügig verstimmen. Dies führt unweigerlich zu drastisch abnehmenden Übertragungsraten. Die Funktion bleibt deshalb abgeschaltet.
Mit der Splitfunktion (SPLIT) kann man Sender und Empfänger auf verschiedenen Frequenzen betreiben. Dies macht beim Telefonieren (Duplex) Sinn. Bei Pactor gibt es so etwas nicht. Die Funktion bleibt abgeschaltet.
Fehlermöglichkeiten am Antennensystem
Das Stehwellenverhältnis SWR (Standing Wave Ratio) ist ohne Zweifel ein wichtiger Indikator, der auf mögliche Fehler an der Antenne hinweist. Die meisten modernen Transceiver haben wohl deshalb ein Stehwellenmessgerät eingebaut. Sollte das nicht der Fall sein rate ich dringend eines anzuschaffen. Auch für VHF geeignete Geräte aus dem Amateurfunkbedarf sind nur wenig teurer als die billigen Geräte für CB-Funker, die es für den KW-Einsatz genauso gut tun würden, haben aber den Vorteil, dass man damit auch die Antenne für das VHF-Seefunkgerät überprüfen könnte. Im Idealfall ist das SWR immer 1. Dies bedeutet, dass die Antenne optimal an den Transceiver angepasst ist. In der Praxis ist das SWR natürlich davon abhängig wie gut das Antennenanpassgerät seinen Job macht. Schlechter als 1,5 sollte es aber keinesfalls sein, das wäre auf jeden Fall ein Grund um irgendwo einen Fehler zu vermuten.
Ein extrem schlechtes SWR von 10 oder mehr lässt vermuten, dass das Koaxkabel zwischen Transceiver und Anpassgerät unterbrochen oder kurzgeschlossen ist. Wenn man Frequenz, Sendeleistung und eine übliche Länge von nur wenigen Metern berücksichtigt ist leicht einzusehen, dass qualitätsmäßig an dieses Kabel keine besonderen Anforderungen gestellt werden. So lange man eines mit 50 Ohm Wellenwiderstand wählt geht jedes und ein preiswertes RG58 ist völlig ausreichend. Anders ist das bei den verwendeten Steckern (PL259), die es für unterschiedliche Kabeldurchmesser gibt. Man sollte auf jeden Fall die passende Variante verwenden, da sonst Probleme in diesem Bereich vorprogrammiert sind. Ein SWR irgendwo dazwischen lässt dagegen breiten Raum für Spekulationen, da dafür alles möglich infrage kommt. Mit großer Wahrscheinlichkeit arbeitet dann das Anpassgerät nicht richtig. Ich würde dabei zunächst an einen Ausfall von dessen Stromversorgung denken und wenn das nicht der Fall ist an Kontaktprobleme bei Antenne oder Erde. Damit sind wir gleich bei einer weiteren Schwierigkeit.
Antennenanpassgeräte (Tuner) sind Segen und Fluch zugleich. Sie ermöglichen nicht nur eine Antenne mit gleichbleibender Länge auf verschiedenen Frequenzen zu nutzen, sondern oft auch den sprichwörtlichen „feuchten Schnürsenkel“ anzupassen. Das ist für alle, die sich nicht viele Gedanken über ihre Antenne machen wollen, sicher von Vorteil. Wer so denkt lügt sich leider dabei oft etwas in die Tasche, denn eine angepasste Antenne mit einem guten SWR ist noch lange keine gute Antenne weil das SWR über deren Strahlungseigenschaften absolut nichts aussagt. Für uns hat das zur Folge, dass ein langsames „Schlechterwerden“ der Antenne etwa durch Kontaktprobleme vom Anpassgerät ausgeglichen wird und sich dadurch über das SWR nicht mehr bemerkbar macht. In früheren Zeiten als die Antennenanpassung noch von Hand abgeglichen werden musste, fiel es dagegen sofort auf wenn eine andere Einstellung als sonst üblich notwendig war. Dies war ein sicherer Hinweis für jeden Funker, dass mit seiner Antenne etwas nicht in Ordnung war und ließ ihn schnellstmöglich nach der Ursache suchen. Für uns heißt das, dass wir uns auf das SWR als sicheren Indikator nicht verlassen dürfen und alle Kontakte an Antenne und Erde vorbeugend pflegen sollten um Korrosionsprobleme erst gar nicht zu bekommen.
Um Korrosion zu vermeiden würde ich Anpassgeräte, auch dann wenn sie ausdrücklich für den Außeneinsatz verkauft werden, wenn irgend möglich immer unter Deck montieren. Dabei ist zu beachten, dass die Zuleitung zwischen Achterstag oder Peitschenantenne bereits mit zur Antenne gehört und HF abstrahlt. Bei GFK-Booten ist das absolut kein Problem. Bei einem Stahl- oder Aluminiumboot sollte man versuchen den Tuner unmittelbar neben der Decksdurchführung für die Antenne zu platzieren um die Antenne unter Deck möglichst kurz zu halten. Zu beachten ist auch, dass abhängig von Sendeleistung, Frequenz und Antennenlänge eine nicht unerhebliche Spannung an dieser Stelle vorkommen kann. Durch eine geschickte Wahl der Antennenlänge kann man diesem Problem jedoch weitestgehend aus dem Weg gehen. Dazu habe ich mich an anderer Stelle ja schon mehrfach ausführlich geäußert. Für alle Kontakte im Freien empfehle ich sie so auszuführen, dass sie jederzeit leicht geöffnet werden können um sie regelmäßig mit Kontaktspray (WD40, etc.) zu behandeln. Das ist wesentlich besser als sie langsam unter einer dicken Schicht von Isolierband oder Silikonmasse vor sich hin rotten zu lassen.
Ein Notchfilter (NOTCH) ermöglicht innerhalb des Übertragungskanals ein Störsignal auszublenden. Bei Pactor 3 wäre dies kontraproduktiv. Die Funktion bleibt deshalb abgeschaltet. Gleiches gilt für den Noiseblanker (NB) mit dem pulsartige Störungen ausgeblendet werden könnten.
Der Squelch (SQL) ist eine Rauschsperre mit dem man den Empfänger stumm schalten kann, wenn kein Signal empfangen wird. Für Pactor ist diese Funktion viel zu träge und muss abgeschaltet sein.
Überall wo Sender betrieben werden gibt es starke elektromagnetische Felder und deshalb darf dieses Kapitel nicht abgeschlossen werden ohne auch etwas zu Funkstörungen zu sagen. Bezogen auf unsere Funkstation unterscheiden wir dabei aktive, also solche, die durch den Sender erzeugt werden und passive Störungen. Damit sind jene gemeint, die von anderen Geräten erzeugt werden aber den Empfang stören.
Unsymmetrische Antennen wie Achterstag oder Peitsche (Whip) brauchen prinzipbedingt zwingend eine gute HF-Erde. Wenn diese fehlt, „sucht“ sich die HF selbstständig einen Weg. Oft findet sie ihn über die Stromversorgung des Anpassgerätes und/oder das Koaxkabel in die elektrische Installation des Schiffes. Die HF vagabundiert dann überall herum. Regelmäßig sind dann viele elektronische Geräte gestört. Ich schweren Fällen kann es auch zu glimmender Kabinenbeleuchtung kommen oder man spürt ein leichtes „Bitzeln“, wenn man mit den Lippen das Mikrofon berührt. Solche Beobachtungen sind ein sicherer Hinweis auf eine extrem schlechte HF-Erde. Auch wenn so etwas nicht immer sondern nur auf einigen Frequenzen auftritt ist dies eine eindeutige Diagnose. Mein Aufsatz über die HF-Erde auf Sportbooten hilft dann bestimmt weiter. Man sollte auch daran denken, dass eine ehemals gute Erde im Laufe der Zeit schlechter werden kann. Damit meine ich nicht nur die berüchtigten Erdschwämme sondern denke auch an Kontakte, die genau wie jene an der Antenne gepflegt werden müssen.
Manchmal findet die HF trotz einer noch brauchbaren Erde den Weg in die Elektroinstallation. Weil sie dann vor allem über den Außenleiter des Koaxkabels kommt spricht man in diesem Zusammenhang von Mantelwellen. Dagegen hilft eine Verdrosselung des Koaxkabels und der Stromversorgung z.B. mit Ferritringen. Ich habe mir angewöhnt bei der Installation vorbeugend beide Kabel etwa zwei Meter länger als notwendig zu lassen und aus dem Rest direkt vor dem Anpassgerät eine Spule mit etwa 10 Windungen und 10 cm Durchmesser zu wickeln. Vor allem für höhere Frequenzen, bei denen es wegen der Zuleitung nicht immer leicht ist eine niederohmige Erde zu realisieren, kann man so zu minimalen Kosten eine wirksame Mantelwellensperre einfügen. Dank einer sauberen Installation hatte ich mit einer Ausnahme keinerlei Störungen in elektronischen Geräten an Bord. In einem solchen Fall würde ich zunächst nicht an ein Einstrahlungsproblem denken sondern davon ausgehen, dass die Störungen über das elektrische Leitungsnetz und damit über die Stromversorgung den Weg in die Geräte finden. In den allermeisten Fällen hilft ein direkt vor dem betroffenen Gerät angebrachter Ferritring mit hoher Sperrwirkung auf KW auf den man so viele Windungen wie möglich mit beiden Stromversorgungsdrähten aufbringt. Diese Verdrosselung ist dann gleich doppelt wirksam sind doch oft gerade die störempfindlichsten Geräte auch jene, die selbst die meisten Störungen an das Netz abgeben. Sollten sich solche Störungen fremder Geräte im Empfänger bemerkbar machen, versucht man zunächst durch systematisches Abschalten das verursachende Gerät ausfindig zu machen um anschließend dessen Stromversorgung zu verdrosseln.
Die eben angedeutete Ausnahme einer hartnäckigen Störung war bei mir der Kompressor der Kühlbox. Dieser lief regelmäßig an, wenn ich auf die Sendetaste drückte und auch beim Empfang war ein deutliches Prasseln zu hören, was den Datendurchsatz bei Pactor merkbar beeinflusste. Eigentlich ist dies kein ernstes Problem, da man die Kühlbox während des doch eher kurzen Funkverkehrs auch einfach abschalten kann. Man darf anschließend nur nicht vergessen sie auch wieder einzuschalten. Mir passierte das leider öfter, was mich auf Abhilfe sinnen ließ. Da die Leitungen der Kühlbox relativ dick sind, konnte ich nur jeweils eine Windung auf meinen größten Ferrit aufbringen. Um die Störungen wirksam in den Griff zu kriegen brauchte ich deshalb eine Batterie von vier Ringen, was alles andere als elegant aussah. Endgültig Ruhe verschaffte mir dann ein Zufall. An meinem Arbeitsplatz flatterte mir ein Muster eines aktiven Störschutzfilters mit über 50 dB Dämpfung auf den Tisch und da wir im Labor keine Verwendung dafür hatten, baute ich es an Bord ein. Damit habe ich sicher mit Kanonen nach Spatzen geschossen aber warum nicht, wenn’s hilft und wie in meinem Fall nichts kostet.
Leistungsfähigkeit von Pactor (Nachtrag 10/2009)
Ich werde immer wieder gefragt, welche Datenübertragungsrate man von einem Pactorsystem erwarten darf und wie man das Optimum erreicht. Eine Antwort darauf ist nicht einfach, da sie von verschiedenen Parametern abhängt. Abhänging von Ausbreitungsbedingungen und vor allem Fremdstörungen auf der Übertragungsfrequenz erreiche ich Datenraten zwischen 200 und 6 000 Byte/min. Diese Grenzwerte sind allerdings eher selten. Meistens schwankt sie um etwa 3000 Byte/min. Um auch bei eher bescheidenen Ausbreitungsbedingungen, wie wir sie derzeit im Sonnenfleckenminimum oft haben, regelmäßig solche Werte zu erreichen ist eine einigermaßen funktionierende Antenne sowie ein sauber aufgebautes und optimal eingestelltes Funkgerät erste Voraussetzung. Dazu habe ich oben und auch an anderer Stelle einiges geschrieben.
Um die für die Übertragung bestmögliche Frequenz zu finden sehe ich zuerst bei ITS nach. Alles was grün ist (80% und größer) sollte auch gehen. Wenn ein Connect nicht auf Anhieb klappt, kann dies verschiedene Gründe haben. So kann es z. B. sein, dass die ausgewählte Station gar nicht in Betrieb ist (Ich möchte auch nicht ausschließen, dass es in der Liste von ZS5S Karteileichen gibt, da ich einige Stationen noch nie erreichen konnte.) oder sie gerade auf einer anderen Frequenz arbeitet. Um ein Gefühl für die Verfügbarkeit von Netzknoten zu bekommen, hilft nur regelmäßige Nutzung und im Zweifel etwas Geduld. Ich habe in diesem Jahr knapp vier Monate auf dem Boot gelebt und dabei täglich ca. 2-3 mal Verbindung zu Winlink aufgenommen. Ungefähr 90% aller Connects gingen zu ON0FS, der sich als sehr zuverlässig erwies.
Die Frequenz , die bei ITS die höchste Punktzahl erreicht, muss nicht zwangsläufig die bestgeeignete sein, da der Wert nichts über deren Belastung durch Störungen aussagt. Erfahrene Funkamateure hören ob eine Frequenz geeignet ist oder nicht wird dazu immer wieder gesagt. Da ist sicher etwas dran, ich selbst kann wegen meiner Schwerhörigkeit leider so nicht vorgehen, da für mich alles weitgehend gleich rauscht. Ich verlasse mich deshalb auf meine Erfahrung aus vielen Verbindungen. So meine ich z.B. herausgefunden zu haben, dass im 10 MHz Bereich häufig weniger Störungen als auf 7 MHz sind. Wenn die Ausbreitungsbedingungen es zulassen, nutze ich daher bevorzugt diese Frequenzen. Ein anderer allerdings nicht so gern gesehener Trick ist, wenn die P3-Frequenz gestört ist einfach die P2-Frequenz zu nutzen. Das geht problemlos, wenn man am Transceiver umstellt und die Einstellung bei Airmail auf P3 bestehen lässt. Dann wird auf der P2 Frequenz auch mit der hohen Geschwindigkeit in P3 gearbeitet. Sehr, sehr selten helfen auch alle Tricks nicht. Dann wartet man einfach eine Stunde und versucht es dann erneut. Oft geht es dann deutlich besser. Auch unter schwierigsten Bedingungen geht immer was. Ich habe noch nie erlebt, dass ich meine Mails nicht losgeworden bin.