Pactor

Wenn man mit segelnden Funkamateuren spricht, fällt immer wieder das Wort PACTOR. Was das ist und warum das so ist versuche ich hier zu erklären.

Pactor wurde Anfang der 90ger Jahre von deutschen Funkamateuren als Nachfolgesystem für die bis dahin im Amateurfunk gängigen Fernschreibverfahren entwickelt. In der Nachrichtentechnik grundsätzlich bekannte Verfahren wurden geschickt kombiniert und an die besonderen Anforderungen schmalbandiger und störanfälliger Kurzwellenverbindungen adaptiert, so dass Pactor heute eine sichere, fehlertolerante Übertragungsmethode für Funkverbindungen über große Entfernungen darstellt. Moderne Signalprozessoren machen es möglich.

Pactor ist aber eigentlich nur das Übertragungsverfahren. Es wäre allein längs nicht so erfolgreich, wenn es nicht auch die Möglichkeit bieten würde, mit automatisierten Stationen zu arbeiten. So ist es z.B. möglich Nachrichten in einer Mailbox abzulegen, die von jemand anderem zu einem anderen Zeitpunkt abgerufen werden können. Diesen Gedanken setzt das von US-Funkamateuren entwickelte WINLINK-System konsequent um. Es verlinkt viele über die ganze Welt verteilte Einstiege über das Internet miteinander zu einem großen System. So kann man seine abgehenden Mails an beliebige Adressen über irgendeinen der über 50 Einstiege absetzen und die eingegangenen Mails abholen. Alles wird automatisch weitergeleitet. Die Mails selbst werden bei der Funkübertragung verschlüsselt. Es kann also niemand so einfach mitlesen. Verschlüsseln ist im Amateurfunk eigentlich verboten. Deshalb wird der Schlüssel gleich mit übertragen. Man könnte also mit entsprechendem Aufwand ein Programm schreiben, das fremde Nachrichten sichtbar macht. Nur, das macht man einfach nicht. Und so ist dem Gesetz genüge getan.

Da die komplette Übertragung über einen nur 2,3 kHz breiten SSB-Sprachkanal erfolgt, kann man die übertragene Datenmenge natürlich bei weitem nicht mit WLAN oder ähnlichem vergleichen. Versuche über Pactor einen kompletten Internetaccess zu realisieren gibt immer wieder. M.E. sind sie bei heutiger Datenrate und gängigen Seitengrößen im Internet alle zum Scheitern verurteilt. Wer’s nicht glaubt, mag mal einen Versuch machen und mit einem alten 9,6 kB Modem im Internet surfen und schnell feststellen, dass dies nur wenig Spaß macht. Für Wetterberichte, private Emails und das eine oder andere (komprimierte) Bild langt Pactor aber allemal und was das Wichtigste ist, es hat abhängig von den aktuellen Übertragungsbedingungen eine Reichweite von bis zu mehreren tausend Kilometern.

Modem

Als zusätzliche HW braucht man zur vorhandenen KW-Amateurfunkstation und Notebook nur ein spezielles Modem. Ich empfehle eines von den Entwicklern des Pactor-Verfahrens der deutschen Firma SCS in Hanau. Alle der dort angebotenen Modems sind brauchbar, arbeiten mit der gleichen Technik  und unterscheiden sich nur durch die vorhandenen Schnittstellen. Ich habe mich für das einfachste ein PTC 2ex entschieden. Gegenüber den anderen hat es im Wesentlichen den Nachteil, dass nicht auch noch die Frequenz des Transceivers über den PC ferngesteuert wird. Ich habe die verschiedenen Frequenzen im Speicher des Funkgerätes abgelegt. Bei Frequenzwechsel, der in der Praxis gar nicht so häufig ist, muss ich dann halt eine Taste mehr drücken. Dafür habe ich den Vorteil, dass das Gerät gerade noch zwischen Funkgerät und Mobilhalterung passt.

Ohne jegliche elektronischen Grundkenntnisse ist der Anschluss an das Funkgerät eventuell etwas kompliziert. Ein lizenzierter Funkamateur sollte das aber problemlos schaffen, zumal das Verfahren im von SCS mitgelieferten Handbuch genau beschrieben wird. Die Problematik liegt darin, dass zwar jedes SSB-Funkgerät irgendwie verwendet werden kann, die Anschlüsse mangels Normung aber bei jedem Gerät ein bißchen anders sind. Für die gängigsten Geräte gibt es bei SCS aber auch fertig konfektionierte Kabel. Die Verbindung mit dem PC ist dagegen simpel. Je nach verwendetem Modem reicht ein serielles oder USB Standardkabel.

Die meisten Fehler werden wohl beim Einstellen der Sendepegel gemacht. Um ein sauberes Signal zu haben, darf man den Sender auf keinen Fall übersteuern. Wohl in dem Bestreben eine möglichst hohe Sendeleistung zu bekommen wir hier oft des Guten zuviel gtan. Die Bedeutung der Sendeleistung wird leider von vielen Funkamateuren überschätzt. Man mache sich nur mal klar, dass man, um bei der Gegenstation eine S-Stufe (6dB) lauter zu sein, die Sendeleistung vervierfachen muß. Splatternde, d. h. übersteuerte Sender stören alle Stationen in weitem Umkreis und führen auf der Gegenseite zu unnötig vielen Übertragungsfehlern und damit zu Wiederholungen mit geringem Datendurchsatz.

Wer auf schnelle und sichere Übertragung Wert legt tut gut daran, die Freischaltung für das Pactor3-Verfahren gleich mit zu kaufen. Ich hatte sie zunächst nicht und kann sagen, dass es doch eine weitere, deutlich spürbare Verbesserung bzgl. Übertragungsgeschwindigkeit und Störfestigkeit gegenüber dem Standardverfahren ist. Weitere detaillierte Informationen zur Auswahl und zum Anschluss eines Pactor-Controllers gibt es hier.

Software

Als Bedienprogramm auf dem Laptop ist Airmail (kostenlos hier http://www.airmail2000.com/ ) quasi Standard. Airmail arbeitet sehr gut mit ITS (ebenfalls kostenlos hier http://greg-hand.com/versions/) zusammen. Das ist ein Programm, das hilft die jeweils geeignete Frequenz abhängig von den aktuellen Ausbreitungsbedingungen zu wählen. Die dazu notwendigen Parameter werden beim Einloggen in das Winlink-System automatisch geladen. Was man einstellen muss und wie man das genau macht, kann ich mir hier sparen. Rüdiger DJ9UE beschreibt das auf seiner Webpage http://www.sy-kaya.de/ hervorragend. Eine Übersicht weltweit aller Stationen zum Einstieg in Winlink  findet man bei Joost http://www.zs5s.net . Von den Niederlanden, wo mein Boot z.Z. liegt, komme ich natürlich hervorragend mit PA3DUV in Deventer/NL oder ON5FS in Belgien klar. Wenn die aber mal nicht gehen oder meine 90 min Airtime wirklich mal vorbei sein sollte, geht auch IV3HXR in Udine/Italien, LZ1PKS Sofia/Bulgarien, SK6PS Göteborg/Schweden oder EA8RCT in Las Palmas/Teneriffa. Einer geht immer!

Wer mit einen Emailclient wie Outlook oder Thunderbird zurecht kommt, kann auch mit Airmail umgehen. Ich schreibe meine Mails an Bord offline und schalte das Funkgerät nur zur Übertragung ein.

Für die meisten mögen die Emails die wichtigste Funktion von Winlink sein. Es gibt aber noch wesentlich mehr. So können auch aktuelle Wetterberichte von verschiedenen Gebieten und vieles weitere abgerufen werden. Darüber hinaus kommt man über Email auch an eine Menge sonstige Informationen. Windkarten (www.saildocs.com) oder Jimmy Cornell’s bekannte Informationen für Segler (http://www.noonsite.com) sind nur einige Beispiele.

Hier noch einige Beispiele für mit dieser Ausstattung empfangene Informationen:

PACTOR-Controller PTC-2ex
Navigation
Dieses Bild sagt mir, dass die Funkbedingungen um die WINLINK-Station LZ1PKS in Bulgarien zu erreichen aktuell um 18.00 UTC noch sehr gut (100%) sind, wenn ich dafür eine Frequenz im 40m Band benutze. Das Programm stellt diese Informationen auf Knopfdruck bereit. Die notwendigen Parameter (Sonnenfleckenaktivität, etc.) werden automatisch bei jedem Connect aktualisiert.
Ausschnitt eines Wetterberichtes von METEO-FRANCE für Korsika als Email
Karte mit Windvorhersage eines Sturms der an Silvester 2006 über die deutsche Bucht hinwegzog.
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